Auf neuerlichen Rekordabsatz folgt ein deutlicher Rückgang des Kerzenverbrauchs

Seit einigen Jahren legt der Kerzenverbrauch in der Europäischen Union jedes Jahr zu. Dieser Trend hat sich auch im Jahr 2017 fortgesetzt. Insgesamt wurden etwa 790.000 Tonnen Kerzen verkauft, was einen neuen Allzeitrekord bedeutet. Das mit Abstand bedeutendste Produktionsland ist Polen, wo mehr als die Hälfte der in Europa hergestellten Kerzen ihren Ursprung haben. Statistisch gesehen hat jeder EU-Bürger vom Säugling bis zum Greis 1,55 kg Kerzen gekauft. Erfreulich ist, dass die Produktion in Europa weiter ausgebaut werden konnte und die Kerzen in den Verkaufsregalen damit überwiegend aus europäischer Herstellung stammen. Negativ ist dagegen, dass der Umsatz nicht Schritt halten konnte und sich trotz deutlich höherer Tonnage sogar leicht verringert hat.

Im laufenden Jahr 2018 wird der Kerzenkonsum zum ersten Mal seit Jahren zurückgehen, nach aktuellen Schätzungen sogar um bis zu fünf Prozent. Ursache dieses Einbruchs ist der langanhaltende heiße Sommer, der lange Zeit keine typische Kerzenstimmung aufkommen ließ. Nachdem im November in weiten Teilen Europas endlich der Herbst Einzug gehalten hat, haben auch die Kerzenverkäufe sofort spürbar angezogen. Die starken Verluste in den ersten Herbstmonaten werden sie aber nicht mehr ausgleichen können. Für das kommende Jahr rechnet die Branche wieder mit einem steigenden Kerzenkonsum, vorausgesetzt das Wetter normalisiert sich.

Konstant niedrige Rendite bereitet massive Probleme

Seit Jahren leiden viele europäische Kerzenhersteller unter dem extremen Preisdruck und einer sehr niedrigen Rendite. Der wetterbedingte Absatzrückgang im laufenden Jahr hat die ohnehin schon schwierige Lage noch verschärft. Steigende Produktionskosten können mittlerweile nicht mehr oder nur noch teilweise durch Effizienzsteigerungen kompensiert werden. Es wird daher erwartet, dass sich die Konsolidierung der Branche, die bereits vor einiger Zeit begonnen hat, weiter fortsetzen wird. In einigen Fällen kann der Zusammenschluss mehrerer eigenständiger Hersteller zu einem Großunternehmen der richtige Weg sein, um auf die schwierigen Randbedingungen zu reagieren. In manchen Fällen werden aber weitere Produktionsverlagerungen oder sogar -schließungen wohl nicht zu verhindern sein. Der weiteren Entwicklung in den folgenden Bereichen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu:

Konkurrenz durch Billigimporte

Lange Zeit war die europäische Kerzenindustrie durch Antidumpingzölle vor Billigimporten aus China geschützt, die sie zuvor an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatten. Seit der Abschaffung der Zölle vor etwa drei Jahren nehmen die Importe aus China, aber auch aus anderen Billiglohnländern, wieder kontinuierlich zu, insbesondere für Aktionen bei Discountern. Die Qualität lässt sich mit europäischer Ware oft nicht vergleichen, und auch die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen muss in vielen Fällen angezweifelt werden. Es steht aber zu befürchten, dass sich enttäuschte Verbraucher, die an ein solch schlechtes Produkt geraten sind, generell von Kerzen abwenden anstatt Qualitätskerzen aus heimischer Produktion zu kaufen.

schwankende Rohstoffversorgung und -preise

Paraffin ist nach wie vor der am meisten verwendete Rohstoff für die Kerzenherstellung. In den letzten Jahren sind aber große Teile der Produktionskapazitäten in Europa weggefallen und die Kerzenhersteller sind mittlerweile zwingend auf Importe angewiesen. Die Folgen sind oft starke Preissprünge und eine ungewisse Versorgungslage, die auch vom Wechselkurs und von Transportkapazitäten abhängen. Kerzenhersteller benötigen aber ein möglichst stabiles Preisniveau für ihre Rohstoffe.

Im laufenden Jahr war die Versorgung mit Paraffin zwar ausreichend, aber die Preise haben sich auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Alternative Rohstoffe wie Fette und Stearin wurden dadurch attraktiver, lösen aber auch eine zunehmende Debatte über Nachhaltigkeit aus. Zertifiziert nachhaltige Kerzenrohstoffe werden immer stärker auch vom Verbraucher gefordert, was die Kerzenhersteller ausdrücklich begrüßen, aber der Aufwand für die notwendigen Zertifizierungen ist beträchtlich und die meisten Händler und Verbraucher sind nicht bereit, die erheblichen Mehrkosten für zertifizierte Rohstoffe zu tragen.

steigende Produktionskosten

Im laufenden Jahr 2018 waren in vielen Ländern der Europäischen Union deutliche Kostensteigerungen zu verzeichnen. Insbesondere die Kosten für Löhne und Gehälter, Energie, Transport und Logistik, und für die meisten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sind teilweise stark gestiegen. Diese Entwicklung wird sich auch im kommenden Jahr fortsetzen.

immer strengere rechtliche Anforderungen

Die Einhaltung der stetig anspruchsvoller werdenden rechtlichen Anforderungen wird von den europäischen Herstellern sehr ernst genommen und gewissenhaft dokumentiert – aber der Aufwand ist gewaltig und kann, insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen, nur schwer bewältigt werden. Nationale Alleingänge von Mitgliedsstaaten, die die EU-weit geltenden Anforderungen mehr oder weniger stark abändern und so für zusätzlichen Aufwand sorgen, kommen noch hinzu. Leider hat sich die Europäische Kommission dagegen entschieden, diesem Wildwuchs, der insbesondere für europaweit tätige Unternehmen extrem störend und aufwändig ist, in Form eines verbindlichen Normungsmandats Einhalt zu gebieten. Die europäischen Kerzenhersteller fühlen sich aber einer weiteren Regelung und Vereinheitlichung verpflichtet und werden die Normierung daher auf freiwilliger Basis und auf eigene Kosten konsequent fortführen und auf weitere Produktgruppen ausweiten.

steigende Kundenanforderungen

In den letzten Jahren hat sich der Handel konzentriert, wodurch die Macht der Handelskonzerne noch stärker geworden ist. Das schlägt sich einerseits in einem extremen Preisdruck nieder, der noch durch die zunehmende Verlagerung des Kerzenhandels weg von Einzelhändlern hin zu traditionell sehr preisbewussten Discountern verstärkt wird. Zudem werden Aufträge immer später erteilt und die Reaktionszeit wird dadurch verkürzt. Die notwendige Flexibilität kann nur durch eine vorausschauende und langfristige Lagerhaltung erreicht werden, wodurch Kosten und Risiken aber immer mehr auf den Hersteller übergehen und viel Kapital binden.

Parallel dazu steigen die von Kunden geforderten und individuell oft sehr unterschiedlichen Verpflichtungen und Dokumentationen stetig an, beispielsweise für das Lieferkettenmanagement oder soziale Verantwortung, um nur zwei Bereiche zu nennen. Finanziell honoriert wird dieser gestiegene Verwaltungsaufwand aber nicht.

Aktuelle Trends

Die für Kerzen verfügbare Fläche im stationären Handel wird stetig kleiner und entsprechend weniger Auswahl finden Käufer im einzelnen Markt vor. Für den größten Umsatz sorgen nach wie vor Klassiker, wie z.B. weiße Teelichte, gefüllte Gläser und Stumpenkerzen. Insbesondere das klassische weiße Teelicht in der Aluhülle ist aber unter massivem Preisdruck, dem oft nur mit weniger Wachs und einer kleineren Flamme begegnet werden kann. Legt man Wert auf eine große, leuchtende Flamme sollte man daher nicht das günstigste Produkt kaufen oder zu den größeren Maxilichten wechseln.

Ist man auf der Suche nach großen und aufwändigen Kerzen mit ausgefallenem Design, die beispielsweise bei Gestecken oder Arrangements als zentraler Blickfang eingesetzt werden können, wird man oft bei Homedekoketten, Floristikläden oder Gartencentern fündig. Auch der Onlinehandel von Kerzen trägt zunehmend zur Erhaltung der kreativen Vielfalt bei.

Im Trend liegen in diesem Jahr weiterhin Teelichte und Maxilichte mit transparenten Kunststoffhüllen, die den Blick auf die Flamme freigeben. Ebenfalls stark sind durchgefärbte Stumpenkerzen mit rustikaler Oberflächenstruktur sowie Gläserkerzen in allen Formen und Farben.

Duftkerzen erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit, wobei es aber regional sehr starke Unterschiede gibt. Der Trend geht hin zu Kerzen mit einem hohen Duftanteil und extravaganten Düften, am liebsten in einem dekorativen Glas und edel verpackt.

Verbraucher haben Qualität selbst in der Hand

Bei allem Preisdruck und den vielen Herausforderungen ist unseren Mitgliedern sehr daran gelegen, auch weiterhin die gewohnt hohe Qualität zu liefern. Nur wenn die Verbraucher mit dem Produkt zufrieden sind, wird der Kerzenverbrauch nachhaltig wachsen. Dass sich hohe Qualität langfristig durchsetzen wird, haben Verbraucher aber zu einem großen Teil selbst in der Hand, was sie bei vielen anderen Produkten bereits bewiesen haben. Der Preis sollte nicht immer das alles entscheidende Kriterium beim Kauf sein, insbesondere bei einem so preiswerten Produkt, wie es Kerzen ohnehin sind. Vielmehr sollte auf ein schönes Erscheinungsbild und eine gute Verarbeitung geachtet werden. Und falls eine Kerze beim Brennen doch einmal hinter den Erwartungen zurückbleiben sollte, gibt es genügend Alternativen zu kaufen, die überzeugen werden.

Möchten Verbraucher bereits beim Kauf sichergehen, dass sie eine qualitativ hochwertige Kerze kaufen, sollten sie auf das RAL Gütezeichen Kerzen achten. Es steht für höchste Qualität bei den Rohstoffen und dem Abbrandverhalten der Kerzen und findet auch über Mitteleuropa hinaus immer mehr Beachtung bei Händlern und vor allem Verbrauchern.

RAL Gütezeichen Kerzen

Pdf-Download des Branchenberichts

European Candle Association ASBL
Stuttgart, Dezember 2018